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Ortsbeschreibung

Geschichte, bedeutende Bauwerke und berühmte Söhne Tricaricos

 

Als Ureinwohner der Basilikata gelten die Lukaner. Auf sie folgten zahlreiche Eroberer: Griechen, Römer, Byzantiner, Langobarden, Sarazenen, Normannen, Staufer, Franzosen, Spanier und Österreicher. Nur einmal in seiner Geschichte wurde der Süden Italiens nicht von fremden Mächten beherrscht und ausgebeutet, sondern war selbst ein politisches Machtzentrum. Dies war während der Zeit Friedrichs des II. von Hohenstaufen, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von dort aus sein aus Sizilien und Süditalien bestehendes - von seiner Mutter ererbtes - Königreich regierte. "Daneben" war er ja auch noch deutscher König und römisch-deutscher Kaiser. Tricarico gehörte, wie die ganze Basilikata nach dem Niedergang des (West-) Römischen Imperiums, lange zum byzantinischen Reich (Ostrom). Ein von dort kommender Mönchsorden, die Basilianer, errichteten viele Klöster und werden deshalb von manchen Gelehrten als Namensgeber der Region Basilikata angesehen.

 

Im 9. Jahrhundert wurde auch Tricarico von den Sarazenen (Muslimen) erobert, die der kleinen Stadt zwei neue Ortsteile (Rabattana und Sarazena) hinzufügten und die Befestigungen ausbauten.Um die Mitte des 11. Jahrhunderts erschienen die Normannen in Süditalien. Ursprünglich waren sie von dort schon lange herrschenden Langobarden-Fürsten als Hilfstruppen gegen die Byzantiner und Sarazenen ins Land gerufen worden. Sie machten sich aber schon bald selbst zu dessen Herren und eroberten schließlich neben weiten Teilen des süditalienischen Festlandes auch das damals ebenfalls muslimische Sizilien.Der berühmteste und erfolgreichste Normanne der damaligen Zeit war Robert Guiskard (der "Schlaukopf"), der auch Tricarico eroberte und dort eine gewaltige Festung errichtete, deren Normannen-Turm bis heute das Wahrzeichen des Ortes ist. Auch die dreischiffige, im romanischen Stil erbaute Cattedrale di S. Maria Assunta geht auf den großen Normannen zurück. Tricarico ist reich an weiteren bedeutenden Baudenkmälern, darunter auch noch mehrere Klöster. Eines davon - im Talgrund unterhalb des Ortes gelegen - ist der Convento di Santa Maria del Carmine. In der Kirche dieses ehemaligen Karmeliter-Klosters wird eine wundertätige Marienstatue aufbewahrt, zu deren Ehre jedes Jahr im Juli das größte Fest des Ortes stattfindet. Dazu wird die Statue festlich geschmückt, auf einen mit zwei starken Ochsen bespannten zweirädrigen Karren gestellt und dann von einer vorausgehenden Blaskapelle, der örtlichen Geistlichkeit und vielen Einwohnern hinauf in die Stadt zur Kathedrale gebracht. Das Ganze ist mit einem großen Volksfest verbunden. Danach kehrt die Madonna - diesmal von jungen Männern getragen - wieder in ihre Klosterkirche zurück.

 

Sehenswert ist auch ein weiteres, auf einem gegenüberliegenden Berghang gebautes Kloster, San Antonio, mit einem schönen, freskenbemalten Kreuzgang. Dieses Kloster wird heute als Altenheim genutzt. In der dreischiffigen, von Robert Guiskard im 11. Jahrhundert im romanischen Stil errichteten, im 17./18. Jahrhundert teilweise umgebauten Kathedrale Santa Maria Assunta sind Freskenreste aus dem 14. Jahrhundert und ein Triptychon aus dem 16. Jahrhundert sehenswert. Die Kathedrale ist bis heute Amtssitz des Bischofs von Tricarico. Seit 2004 ist dies Seine Eminenz Vincenzo Carmine Orofino.Ein Vorgänger von ihm, Raffaello delle Nocche (1877 – 1960), war fast 40 Jahre Bischof von Tricarico und genoss wegen seines unermüdlichen Einsatzes für die Armen und Entrechteten, seiner Nächstenliebe und Demut, hohes Ansehen unter den Menschen der Region. Er gründete und förderte die „Kongregation der Jünger des eucharistischen Jesus“, die von Pius XI. genehmigt wurde und sich besonders um alte und kranke Menschen bemüht. Eine Gruppe dieser „Jünger“ betreibt noch heute in Tricarico ein Pflegeheim. Bischof Raffaello delle Nocche führte nach Meinung seiner Mitbürger ein so vorbildliches, nahezu schon heiligmäßiges Leben, dass für ihn in Rom ein Seligsprechungsverfahren beantragt wurde.

 

Ein anderer berühmter Sohn Tricaricos war Rocco Scottelaro (1923 – 1953), der bedeutende sozialkritische Schriften verfasste und 1944 die Bauern der Region bei ihren Forderungen nach einer Landreform unterstützte. Er schrieb auch zahlreiche Gedichte.1946, also im Alter von erst 23 Jahren, wurde Scottelaro zum Bürgermeister von Tricarico gewählt. Vier Jahre später wechselte er zu einem landwirtschaftlichen Institut in Portici, einem Vorort von Neapel. Dort starb er 1953. Er wurde also nur 30 Jahre alt.

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